Fernsicht

Wenn es so trübe wie heute ist, ist es gut, sich daran erinnern zu können, daß man nur einen Tag vorher noch das schönste Wetter genießen konnte, einfach weil man auf der richtigen Seite der Suppe war. Wir sind gestern relativ früh losgefahren in Richtung Onstmettingen und ich hatte gewettet, daß die Sonne rauskäme, sobald wir auf der Höhe wären. So war es! Und so haben wir einen schönen Marsch am Albtrauf entlang gemacht mit einem kleinen Einkehr-Päuschen.

An vielen Mehlbeerbäumen vorbei, die Beeren auch probiert (naja, die Schale hat einen guten Nachgeschmack, der Rest schmeckt halt mehlig).

Phantastische Aussichten genossen…

Und vom Aussichtsturm auf dem Raichberg konnte man sogar die Alpen sehen! Und daran will ich mich erinnern, wenn ich wie jetzt schon vormittags das Bedürfnis habe, das Licht einzuschalten…

gewalkt und getupft

Immer wenn es auf den Winter zugeht, bekomme ich das große Bedürfnis nach einem Kleid. Einem warmen bequemen Kleid, eines das „zwiebel“-fähig ist, sprich eines, unter und über das man was anziehen kann oder eben auch nicht. Eines, mit dem ich auch bequem spazieren gehen kann. Und nie finde ich eines. Also habe ich die Anleitung für „Neko“ bei Twist Collective erstanden. Da ich dafür aber die Wolle spinnen will, wird das noch etwas dauern. Wie gut, daß mich der Zufall/die Arbeit diese Woche in einen Stoffladen geführt hat, wo ich mich sofort in diesen Walkstoff verguckt habe:

Daheim erinnerte ich mich, daß ich vor etlicher Zeit das Schnittmuster „Norderney“ gekauft hatte, in der wahnsinnigen Annahme, daß ich eines Tages ein Kleid nähen könnte. Damals war ich voller Tatendrang, daß ich sogar schon das Schnittmuster übertragen hatte, alles lag bereit. Und was soll ich sagen: an einem Nachmittag ist das getupfte Wollkleid fertig geworden. Mit ein paar kreativen Änderungen, so ist das Kleid länger als die Tunika in der Anleitung und am Schluß habe ich an den Armausschnitten einen spontanen mutigen Abnäher gemacht (ach, so geht das?!). Jetzt müsste es nur noch kälter werden 😉 Aber zum fotografieren hat es schon gereicht:

Erst mal die Ausrüstung zusammentragen…

Den Fernauslöser testen…

Und dann das Kleid austesten… Ja, mit dem kann man springen!

Und zufrieden? Ja!

Erntezeit

Ein bißchen was habe ich doch zwischendurch gestrickt. (Über das größere muß ich extra schreiben, das ist eine längere Geschichte…)

Zwei Paar bunte Socken, das rechte Paar für mich, das linke für die Geschenkekiste. Beide aus Aldi-Wolle, die links vom letzten Jahr, die rechts von neulich.

Erbe

Dieses Jahr war sehr von Haushaltsauflösungen dominiert, sei es in meiner Familie oder in des Liebsten Familie. Ich habe natürlich unendlich viele Stoffe und Kurzwaren vor dem Container gerettet, Küchenutensilien wie die abgeschabten Holzkochlöffel meiner Oma, an denen für mich viele Kindheitserinnerungen hängen usw. Die anderen haben mich das eine oder andere Mal komisch angeschaut, aber sei’s drum, für mich sind das Schätze. Bloß: wie die Schätze anschauen, würdigen, gar zeigen? Die meisten Sachen sind ja mittlerweile wieder gut verstaut, schließlich habe ich leider nicht den Platz und die Zeit, ein eigenes Museum aufzumachen. Deshalb habe ich mir einen kleinen Objektrahmen gekauft, den ich in unregelmäßigen Abständen füllen möchte.

Das war der Objektrahmen für September:

Strumpfhalter, damaliger Preis:  60 Pfennig. Aus dem Haushalt einer großen Handarbeiterin: Tante Anna.

knallig

Auch noch nebenbei fertig geworden sind ein paar Socken aus gut abgehangener Wollmeise, die ich damals in Sindelfingen gekauft habe. Die Farbe hat mich damals überwältigt, sie überwältigt mich noch heute!

Für mich, Größe 40, Nadelstärke 2,5 mm.

Gelierprüfung

Was im letzten Jahr so herrlich geklappt hat, brachte mich dieses Jahr an den Rand der Verzweiflung: Apfelgelee. Ich hatte drei Kilo schönster Boskoop, die ich zu Gelee verarbeitet habe. Nur: es gelierte nicht. Auch nicht mit mehr Zucker und mehr Zitronensäure. Ich gab dem Ganzen ein paar Tage Bedenkzeit: nix passierte. Also beherzigte ich den Rat meiner Mutter: nochmal aufkochen. Klappt bei ihr immer wunderbar. Bei mir: Das Gelee wurde weniger und dunkler, aber nicht fester. Wieder standen die Gläser ein paar Tage rum.

Dann griff ich zur synthetischen Keule und kaufte mir Doktor Oe.’s Wahnsinnsgelierzeug, das angeblich alles zum gelieren bringt. Hier herrschte immer noch labbrige Konsistenz. Nun harren die Gläser auf ihre Leerung, sprich ich entsorge das Zeug, denn mittlerweile schmeckt es nach vielem, nur nicht mehr nach Apfel. Und das Kapitel Gelee habe ich für mich beendet, zumindest für dieses Jahr – Quittengelee bekomme ich glücklicherweise von meiner Mutter.

Mit einem Teil der Äpfel aus des Liebsten Garten habe ich dann das gemacht, was ich kann: Apfelmus. In rauhen Mengen!

Nach der Sommerpause

Ohje, so lange habe ich den Blog ja noch nie vernachlässigt. Aber ich muß gestehen, ich habe wenig gestrickt im Sommer und auch die Häkeldecke ist noch nicht ganz fertig. Aber nun ist was fertig geworden: eine zweite Auflage von Ravenscar. Ich mag diese Jacke sehr, ich finde den Schnitt einfach bequem und ideal, um die Jacke über einer Bluse zu tragen und dementsprechend sieht die erste Version schon aus. Also mußte eine neue her:

 

Gestrickt aus Drops Karisma, die nach dem ersten Waschen extrem weich und schön aus der Maschine kam, ich bin begeistert!

Die Jacke war gestern natürlich zu warm, ich hatte sie nur zum Fotografiertwerden auf dem Spaziergang dabei .

Anleitung: Ravenscar von Sarah Hatton in Rowan Magazine Nr. 45.

Wolle: Karisma von Drops, gestrickt mit Nadelstärke 4, Verbrauch: 530 Gramm.

1,10 Meter…

… habe ich jetzt von meinem stillen Großprojekt: eine Häkeldecke im Wellenmuster, 1,30m breit und lang soll sie 1,60m werden, so für’s Sofa. Das angenehme heute Abend: man kann sich die Decke, während man daran häkelt, um die Beine legen, damit es nicht ganz so kalt ist…

Amsel-Terror

Oh göttliche dunkle Nacht! Diese Stille – herrlich! In meinen Ohren klingt immer noch ein hysterisches Tschä-Tschä, mit ich heute den ganzen Tag traktiert wurde.

Das geht seit Tagen so. Unter dem Dach hat sich offensichtlich ein Amsel-Pärchen häuslich eingerichtet und zieht seine Brut auf. Sollen sie, ist doch der Lauf der Natur. Auch ein Lauf der Natur ist, daß die Katz jeden Morgen kurz rausgeht, um was auch immer zu erledigen. Nach ca. einer Stunde kommt sie von ihrem Morgenspaziergang zurück, man kann fast die Uhr danach stellen, ungefähr um zehn. Danach will sie eigentlich nichts anderes, als ihren über-den-Tag-Schönheitsschlaf zu halten, tief und fest, schließlich ist man nachtaktiv. Seit Tagen nun flippt die Amsel-Mutter vollkommen aus, wenn die Katz heimkommt. Nein, wir wohnen nicht unter dem Dach. Nein, die Katz kann von ihrer Katzentreppe nicht ans Dach ran. Die Amselin tickt völlig aus und schreit sich die Seele aus ihrem Amselleib – Tschä-Tschä. Nicht nur das: sie setzt sich auch ans Küchenfensterbrett und schreit mich an. Wirklich: Sie sitzt da und schaut mich und: Tschä-Tschä! Die Katze sitzt auch ab und an mal da am Küchenfenster, denn da ist ihr Ausgang und heute mußte ich dann das Fenster schließen, weniger um zu verhindern, daß die Katz der Amsel was tut, denn sie schien ob der grundlosen Schreierei eher überfordert als angriffslustig, als daß ich verhindern wollte, daß die hysterische Amselin in den Direktangriff überging. Das ging den ganzen Nachmittag so, irgendwann hörte ich dann meinen äußerst ruhigen und gutmütigen Nachbarn schreien: „Ich bring diesen verdammten Vogel um!“ – Er hat es natürlich nicht getan (wie auch, ich denke nicht, daß irgendwer in der Stadt eine Schrotflinte hat…), ich habe es auch nicht getan, aber ich habe irgendwann mal das Fenster wieder geöffnet und der Katz gesagt, daß sie von mir aus die Lizenz zu allem hat. Die Katz aber ging lieber schlafen, in ein Zimmer, in dem das Tschä-Tschä nicht ganz so laut zu hören war.

Und jetzt genieße ich die abendliche Stille, morgen um zehn wird es wieder heißen: Tschä-Tschä!

Bohnensack

Seit Wochen fotografiere ich eigentlich mehr als daß ich stricke. Die geerbten Objektive von Opa haben meine alte Leidenschaft wieder geweckt. Ebenso seit Wochen schleiche ich um einen Bohnensack herum. In der aktuellen c’t Digitale Fotografie sind ein paar nette Anleitungen zum selber Basteln drin, unter anderem auch eine für einen Bohnensack. Natürlich aus Leder und mit Reißverschluss…  Nun sind meine Ledervorräte äußerst beschränkt, meine Lust mit Leder zu nähen ist ähnlich groß wie die, einen Reißverschluss einzunähen…

Aber es geht auch anders: Ich habe einen Innensack aus Baumwolle genäht und einen Außenbezug mit Hotelverschluß aus dem unverwüstlichen Vorhangstoff, der hoffentlich nie ausgeht. Außerdem natürlich ein Kilo Bohnen gekauft, die guten mit Vitaminkomplex 😉

Den gefüllten Innensack dann endgültig zugenäht und in den Bezug gestopft – voilà:

Und weil es ja Outdoor-Ausrüstung ist, durfte ein wenig Wald-Schischi nicht fehlen.

Und falls ich mich nun auf einer Fototour verlaufe, habe ich immerhin Proviant für eine ganze Woche dabei 😉